Nadelbinden

10th century woollen sock from Coppergate made using the nålebinding technique
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Allgemeines
Die Technik des Nadelbindens ist dem heutigen Stricken und Häkeln ähnlich. Der Unterschied ist: Beim Nadelbinden wird wie beim Nähen mit einem Stück Faden und einer Nadel gearbeitet. Der Faden wird mit der Nadel durch rückwärtige Schlingen geführt; dies jedoch nach einem bestimmten Muster. In verschiedenen Formen war und ist es teilweise noch heute in allen Kulturen der Welt verbreitet.
Die Nadel, mit der die Nadelbindesachen hergestellt werden, ist in der Regel eine flache Holznadel von 8-12 cm Länge, 3 - 10 mm Breite. Die Nadeln haben eine schlanke, stumpfe Spitze und ein großes Öhr. Auch Horn- oder Knochennadeln sind historisch belegt. Es eignen sich natürlich auch vergleichbare Metall- oder Plastiknadeln. Als Garn eignet sich jedes gebräuchliche Handarbeitsgarn, besonders gut jedoch Wolle, wegen ihrer Filzeigenschaft. Diese macht man sich zum Verbinden der Einzelfäden zunutze.

Für Nadelbindung gibt es zwei Ausführungsarten. In Skandinavien ist das Nähen auf dem Daumen weit verbreitet; hierbei erfolgen Schlaufenbildung und Nähen eines Stiches dicht um den Daumen herum. Das Arbeitsstück kann aber auch zwischen Daumen und Fingern der Hand gehalten werden (ähnlich wie beim Häkeln); das Nähen der Stiche geschieht wie beim Stopfen in der Fläche, das Maß für eine neue Schlaufe können die Nadel oder ein Finger sein. Dieses Nähen in der Fläche eignet sich besonders gut für das Anfertigen sehr feiner Textilien und für das Nähen von Stichvarianten, die sich nicht auf dem Daumen nähen lassen.
In manchen Ländern ist Nadelbinden immer noch täglicher Bestandteil eines traditionsreichen Alltags. So wird man beispielsweise in Skandinavien auch heute noch Menschen finden, die nadelgebundene Handschuhe tragen. In vielen anderen Ländern jedoch wurde diese Technik seit dem Spätmittelalter nach und nach durch Stricken ersetzt.
Weitere gebräuchliche Bezeichnungen für das Nadelbinden: Nadelbindung, Nalbinding, Naalbinding, Nålbinding, Nailbinding, Nalbindung, Schlingentechnik oder auch Schlingennähtechnik


Nadelbinden im Hochmittelalter

Für das Hochmittelalter lassen sich belegen:

Strümpfe, z. B. 12. Jahrhundert
Kopfbedeckung des hl. Simeon (Trier, 11. Jh.)
Fäustlinge (Schleswig, 13.-15. Jh. )
Dazu diverse Fragmente , z. B. (Speyer 11.-13. Jhd)

Anleitung
Zur Erinnerung, Vertiefung oder dem Erlernen neuer Stiche empfehle ich folgende Seite:

http://www.flinkhand.de/index.php?nadel_daumen

http://www.nadelbindung.de/Links/nadel_links.html

http://www.dueppel.de/index.php

http://www.nadelbinden.de.vu/

http://www.shelaghlewins.com/

Video-Anleitungen im Netz:

http://video.google.com/videoplay?docid=-5058298771613688968

http://www.myvideo.de/movie/96171

http://www.myvideo.de/watch/826936/Der_Asle_Stich


Zunehmen und Abnehmen

Um die Weite der Nadelarbeit zu beeinflussen, muß man zum Weiten Schlaufen "zunehmen" oder zum enger machen welche "abnehmen". Ich verwende hier die Terminologie aus dem Bereich des Strickens, obwohl es ja eigentlich darum geht, mehr oder weniger Schlaufen in einer sich von links nach rechts entwickelnden spiralförmigen Nadelarbeit zu verwenden. Es ist also nicht ganz vergleichbar, doch eine bessere Wortwahl fällt mir dazu nicht ein.
Enger wird es, wenn man beim Durchziehen durch die Schlaufe der vorangegangenen Reihe immer mal zwei Schlaufen zusammenfasst. Das kann regelmäßig (also z.B. bei jedem zweiten Stich) oder auch unregelmäßig (z.B. nur an den Seiten) gemacht werden. Weiter wird die Nadelarbeit hingegen, wenn man in die gleiche Schlaufe der vorangegangenen Reihe zweimal einsticht. Auf die Art erhöht oder vermindert sich die Anzahl der Schlaufen im Vergleich zur vorangegangenen Reihe, und das Stück wird schmaler oder weiter.
Im Gegensatz zu den "moderneren" Handarbeitstechniken gibt es beim Naalbinding eigentlich keine richtige Anleitung, der man für ein Kleidungsstück folgen muß. Hier wird meist einfach nach Augenmaß zu- oder abgenommen, je nachdem, was man gerade nadeln möchte. Wenn man ein Paar Socken oder Handschuhe anfertigen möchte, macht es Sinn, beide Teile parallel zu arbeiten, also immer ein Stück vom einen, dann wieder ein Stück vom anderen Teil. So kann man am besten erreichen, daß beide Teile des Paares auch gleich aussehen, weil man so immer noch gut im Kopf hat, was man gerade gemacht, wie oft man zu oder abgenommen hat usw.

Socken
Arbeite in Paaren
Es bietet sich an, immer beide Socken gleichzeitig anzufertigen.
Der Beginn an den Zehen
Beginne an den Zehen und arbeite aus der Runde bis der Knöchel erreicht ist, wie es die Zeichnung zeigt.
Der Knöchel
Es wird eine Reihe Maschen genadelt deren Anzahl ½ Maschen der Spitze ist und entsprechend wieder an das Vorderteil angesetzt.
Anfertigen der Ferse
Die Ferse wird nun in den entstandenen Zwischenraum genadelt.
Hoch zum Knöchel
Nun kann der Schaft der Socke über den Knöchel so hoch gearbeitet werde, wie man möchte.
Nadelgebundene Socken weisen nicht die gleiche Elastizität wie gestrickte Socken auf. Deshalb ist es wichtig immer wieder anzuprobieren und Maschen zuzunehmen. Oder man arbeitet Alternativ eine Schlitz in die Socke genadelt werden.

Erstellt von Veronika.